Musikverein Kahl 1950 e.V.

Die Geschichte des Musikvereins Kahl

Aus den Gründerjahren

Die ersten Hinweise auf eine Kahler Blaskapelle gibt es seit dem Jahre 1904, jedoch erst im Jahre 1929 wurde der erste Musikverein gegründet. Mit Beginn des III. Reiches wurde er verboten und löste sich auf.

Musikkapelle in den 20er Jahren

Nach dem Krieg wurde dann, nicht zuletzt durch das Hinwirken des damals neuen Pfarrers Valentin Lippert, am 01. Dezember 1950 im Gasthaus "Mainlust" von 25 anwesenden Musikfreunden der heutige Musikverein gegründet.

Bei den am 27. Februar 1951 stattfindenden Neuwahlen wurde Josef Bergmann, von seinen Freunden liebevoll "Seppl" genannt, zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er hatte das Ehrenamt bis zum 13. März 1976, also mehr als 25 Jahre inne. Der Musikverein erlebte einen raschen Aufschwung und hatte 1951 schon 65 Mitglieder; im August feierte der Verein sein erstes Musikerfest. Dazu wurden immerhin schon 150 Garnituren, Tische und Bänke disponiert. Im gleichen Jahr wurde die Vereinsgemeinschaft Kahl, zu deren Gründungsmitgliedern der Musikverein gehört, ins Leben gerufen.

Der Musikverein plant sein erstes Konzert

Im Protokoll über die erste Jahreshauptversammlung vom 21. Dezember 1952 ist vermerkt:

"Ein Konzert soll, wenn alles richtig klappt, im Laufe des Monats März stattfinden"

Ob es tatsächlich wie geplant stattfand, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Im Protokoll der Jahreshauptversammlung des Jahres 1953 ist darüber jedenfalls nichts vermerkt. Hieraus lässt sich schließen, dass die musikalische Aufbauarbeit keine leichte Aufgabe war. Diese Arbeit wurde in den Jahren nach der Vereinsgründung, bis Oktober 1954, von den Dirigenten Ernst Bergmann, Adam Zeiger, Werner Bretthauer, Herr Francok und Ernst Lausmann verrichtet.

Am 1. Januar 1954 wurde der Kahler Musikverein Mitglied in der Interessengemeinschaft "Blasmusik im Vorspessart" (heute "Blasmusikverband Vorspessart"). Unter dem neuen Dirigenten Fritz Detzner, der die Leitung des Orchesters am 16. Oktober 1954 übernahm, ging es musikalisch weiter bergauf.

So nahm der Musikverein bereits im Jahr darauf, am 24. April 1955, am ersten Wertungsspiel des "Blasmusikverbandes Vorspessart" in Laufach teil. Auch in den Folgejahren 1960, 1964, 1970, 1973, 1979, 1982, 1985, 1988, 1994 beteiligte sich das Kahler Blasorchester immer wieder an Wertungsspielen. Dabei bekamen die Musiker Noten "vorzüglich" bis hin zur letztlich besten Bewertung, dem "1. Rang mit Auszeichnung".

In der musikalischen Sparte zeigte sich der Verein sehr vielseitig. Bereits im Jahre 1959 wurde die Tanzkapelle "MVK-Combo" gegründet, die Mitglieder dieser Kapelle gestalteten viele gesellige Veranstaltungen, auch in der weiteren Umgebung, mit großem Erfolg.

Erste Jugendkapelle gegründet

Schon sehr früh erkannten die Verantwortlichen, dass der Fortbestand des Vereins nur durch genügend Nachwuchsarbeit möglich war. Daher stand die Jugendausbildung und die spätere Eingliederung in das Orchester schon bald nach der Vereinsgründung im Vordergrund aller Bemühungen. Ihnen wurde rascher Erfolg beschert. So spricht für sich, dass, bereits in den Jahren 1952, 1966 und 1967, 14, 18 bzw. 16 junge Musikerinnen und Musiker ausgebildet wurden. Im Jahre 1970 konnte der Musikverein bereits eine Jugendkapelle, bestehend aus 26 Musikern, präsentieren.

Sehr große Verdienste in der Ausbildung und Leitung der Jugend erwarb dabei Bernhard Hofmann. Er war es auch, der im Jahr 1970 die Leitung des mit 30 Aktiven besetzten Stammorchesters übernahm. Hier trat Bernhard Hofmann die Nachfolge von Fritz Detzner an, der am 19. August 1970, nach 16-jähriger Dirigententätigkeit, dieses Amt niederlegte. Im Jahr 1972 gab Hofmann die Stabführung an den Dirigenten Bruno Trageser ab. Dieser war knapp fünf Jahre im Amt, bevor er im Februar 1977 von Helmut Arnold abgelöst wurde.

Auslandsreisen nach Haarlem und Villefontaine

Im August 1955 führte der erste Auslandsbesuch der Vereinsgeschichte die Musiker nach Haarlem in Holland, wo man beim dortigen Musikverein "Postfanfare" zu Gast war. Doch danach dauerte es 25 Jahre bis sich Derartiges wiederholte. Im Mai 1980 fuhr das Blasorchester für vier Tage nach Villefontaine in Frankreich. Dies war der erste Besuch eines Kahler Vereines vor der späteren Verschwisterung. Die Musiker wurden von der Villefontainer Bevölkerung mit großer Gastfreundlichkeit empfangen und bewirtet. Auch die dort gegebenen Konzerte wurden von großem Interesse begleitet, so dass dieser Ausflug ein voller Erfolg wurde.

Wechsel im Vorstand

Nachdem der langjährige Vorstand Josef Bergmann 1976 zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde, musste ein Nachfolger gewählt werden. Die Versammlung sprach sich für Eberhard Huth als neuen Vorsitzenden aus. Er war zuvor bereits 13 Jahre lang als 2. Vorsitzender tätig. Seine Amtszeit dauerte bis zum 18. März 1983, bevor er in der Jahreshauptversammlung für seine insgesamt 20-jährige Vorstandstätigkeit mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden eine verdiente Anerkennung fand.

Ernst Krebs trat die Nachfolge von Eberhard Huth an. Er führte den Verein sieben Jahre lang, bis zum 12. März 1989. Während seiner Amtszeit wurde die seit 1963 gültige Vereinssatzung durch eine neue, den Forderungen der Zeit angepassten Satzung, ersetzt. Diese wurde am 6. Mai 1983 verabschiedet, Wenig später, mit Bescheid vom 13. Mai 1983, wurde der Verein vom Finanzamt als "gemeinnützig" anerkannt.

Unter Krebs' agiler Führung wurde vor allem die Aus- und Weiterbildung des Nachwuchses enorm forciert. Erstmals nahmen Kahler Jungmusiker erfolgreich an den Prüfungen zum Erwerb der Jugendmusiker-Leistungsabzeichen teil. So zählten dann auch die drei Kahler Jungmusiker Dieter Duzak (Tenorhorn), Markus Seyfarth (Trompete) und Michael Zeller (Trompete) zu den Ersten des Verbandes, die das äußerst seltene Goldabzeichen im April 1985 in Neustadt-Waldau/Schwarzwald erwarben.

Fahnenweihe 1987

Ein weiteres herausragendes Datum in der Krebs-Ära war die Weihe der Vereinsfahne. Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes in der Pfarrkirche "St. Margareta" am 18. Januar 1987, wurde sie ihrer symbolträchtigen Bestimmung übergeben. Die Weihe wurde von unserem Gründungs- und Ehrenmitglied, dem am 1. August 1989 verstorbenen Monsigniore Valentin Lippert, vorgenommen.

Der feierliche Gottesdienst wurde vom Blasorchester des Vereins musikalisch gestaltet und durch die Beteiligung aller Fahnenabordnungen der Kahler Vereine feierlich umrahmt. Die Anschaffung der Vereinsfahne, der Ersten seit Gründung des Musikvereins, wurde nur durch die großzügige Spende zweier Mitglieder ermöglicht.

Nachfolger von Ernst Krebs im Amt des 1. Vorsitzenden wurde für zwei Jahre Jürgen-Peter Harms..

Die 90er Jahre - Zeit des Umbruchs

Zahlreiche Veränderungen erlebte der Musikverein in den 90er Jahren. Am 25. Januar 1991 wurde Dr. Robert Reisert zum 1. Vorsitzenden gewählt. Im gleichen Jahr wurde auch die musikalische Führung des Vereins in neue Hände gelegt. Im Rahmen des Adventskonzertes am 1. Dezember 1991 übergab Helmut Arnold nach über 14-jähriger, verdienstvoller Dirigententätigkeit den Taktstock an Dieter Duzak.

Intensive Nachwuchswerbung und Jugendarbeit in den Jahren 1991 und 1992 bescherten dem Musikverein eine Schar von über 50 Zöglingen. Dadurch stand der Gründung eines Jugendblasorchester im Oktober 1992 nichts mehr im Wege.

Original Fränkische Tracht

Auch das äußere Erscheinungsbild der Kapelle änderte sich im Jahr 1991. Anlässlich des großen Jubiläumsfestes ließ sich das Blasorchester neu einkleiden. Eine zeitlose und für alle Anlässe passende Kleidung wurde gesucht und in einer Fränkischen Tracht gefunden. Seit dem tritt das Stammorchester in den Kahler Farben blau-weiß-rot auf. Die Orginalität und Bodenständigkeit wurde durch den Bayerischen Landesverein für Heimtapflege bescheinigt. Der Beitritt zum "Verband Deutscher Heimat- und Volkstrachtenvereine e.V. München" folgte kurze Zeit später.

Durch die Anschaffung dieser Tracht wurde die Teilnahme am wohl schönsten und berühmtesten Festzug möglich, dem Trachten- und Schützenzug zum Münchner Oktoberfest. Bereits zweimal 1994 und 1996 nahm das Orchester daran teil. 1994 verband man mit der Teilnahme am Umzug auch einen Auftritt im Münchner Olympia-Stadion.

Außerdem wurde das Blasorchester am 3. November 1997 als offizieller Vertreter des Regierungsbezirks Unterfranken zum 100-jährigen Jubiläum des Münchner Hofbräuhauses eingeladen.

Konzertreisen ins Ausland

Eine rege Reisetätigkeit führte das Blasorchester in den 90er Jahren in verschiedene europäische Länder. 1992 unternahm man eine Konzertreise an die Costa Brava in Spanien.

Dort wurden Konzerte in Calella und Malgrat gegeben und ein Ausflug in die Olympiastadt Barcelona unternommen.

Aus Anlass der "Deutschen Woche" in Villefontaine im Mai 1997 besuchten die Kahler Musiker ein zweites mal die französische Partnergemeinde. 1998 standen dann die Verschwisterungsfeiern mit Budakalasz in Ungarn an. Der Musikverein übernahm hierfür die musikalische Umrahmung.

"Musikerstübchen" und "Musikus"

Engagiert setzten sich die Vorsitzenden Bernhard Hofmann von 1993 bis 1995 und Willi Duzak von 1995 bis 1998 für den Musikverein ein. So wurde u.a. das "Musikerstübchen" in der Festhalle ausgebaut, um die Rahmenbedingungen für die Aus- und Weiterbildung der Jugend zu verbessern und Registerproben möglich zu machen.

Ebenfalls in dieser Zeit wurde die Vereinszeitschrift "Musikus" ins Leben gerufen. Sie erscheint seitdem unregelmäßig mehrmals im Jahr und informiert die Mitglieder umfassend über die Aktivitäten im Verein.

Bei der Jahreshauptversammlung am 23. Januar 1998 wurde Stefan Gall an der Spitze des Vereins gewählt. Ihm stand Peter Harms als sein Vertreter zur Zeite.

CD "Musica Festiva" und "Bolivien-Tournee"

Zum Adventskonzert 1997 veröffentlichte der Musikverein erstmal eine CD. Unter dem Titel "Musica Festiva" wurde weihnachtliche Blasmusik von "O du fröhliche" bis zum modernen "Christmas-Swing" eingespielt.

Die CD war auch der Auslöser für die wohl größte Konzertreise in der Geschichte des Kahler Musikvereins. Nachdem die CD auch nach Santa Cruz in Bolivien gelangte, wurde das Blasorchester zu einer Tournee in das südamerikanische Land eingeladen. Gemeinsam mit den "Feldkahler Musikanten" tourte man vom 25.12.1998 bis zum 12.01.1999 durch den bolivianischen Regenwald zu den Missionsstationen. Das Abschlusskonzert in Santa Cruz besuchte sogar der damalige bolivianische Staatspräsident Hugo Banzer.

Zweite CD: "Der Sandhas"

Gut aufgestellt startete der Musikverein ins neue Jahrtausend. Das Stammorchester konnte personell auf rund 60 Musikerinnen und Musiker ausgebaut und das musikalische Niveau erheblich gesteigert werden. Im Jahr 2003 trat der Musikverein beim Wertungsspielen des Blasmusikverbandes in Großwelzheim erstmals erfolgreich in der Oberstufe an. Mit Janine Gelowicz übernahm im gleichen Jahr eine ausgebildete Dirigentin die Leitung des Jugendblasorchesters. Eine zweite CD-Einspielung des Stammorchesters folgte im Jahr 2005. Beliebte Stücke aus den Kahler Konzert- und Unterhaltungsprogrammen beinhaltet dieser neue Tonträger, auf dem auch das Titelstück "Der Sandhas" zu hören ist, gleichzeitig bekannt als "Kahler Hymne".

Im Jahre 2009 vollzog sich ein Wechsel an der Vereinsspitze: Nach elfjähriger, engagierter Tätigkeit trat Stefan Gall als erster Vorsitzender zurück. Auch sein Stellvertreter Jürgen-Peter Harms, der sogar zwanzig Jahre lang als Stellvertreter fungierte, beendete seine Vorstandstätigkeit. Ihre Funktionen übernahm ein Führungstrio, bestehend aus Tobias Roth, Peter Duzak und Dieter Duzak, die fortan für die Vereinsgeschäfte zuständig sind.

Jubiläum 2010 - „Nacht der Musik“

Nachhaltigen Eindruck hinterließ das Bezirksmusikfest 2010, gleichzeitig Jubiläumsfest zum 60jährigen Bestehen auf dem neuen Dorfplatz mit Rock-Nacht, Jugendorchester-Wettbewerb, Big-Band-Frühschoppen und den Auftritt von insgesamt 23 Musikgruppen und Blasorchestern. Unvergessener Höhepunkt aber war das abschließende Open-Air-Konzert „Nacht der Musik“ mit einem rund 100köpfigen Großorchester, gebildet aus den drei Vereinen unseres Dirigenten Dieter Duzak: das TSV-Blasorchester Dudenhofen, die Feldkahler Musikanten und der Kahler Musikverein. Zum großen Erfolg des Massenkonzerts trugen auch der Dudelsackspieler Lothar Eckmayer von den Odenwald Pipes and Drums, die Feldkahler Alphornbläser und nicht zuletzt eine eindrucksvolle Illumination aus Licht- und Pyrotechnik bei.

Anfang 2011 ging die Dirigenten-Ära von Dieter Duzak zu Ende. Nach zwanzig Jahren wechselte er vom Dirigenten-Pult wieder in das Orchester. Sein Nachfolger wurde der diplomierte Musiker Bernd Sallwey aus Dreieich.

Das Jahr 2014

„Voyage en musique“ - Internationale Jugend-Begegnung in Villefontaine

In den Sommerferien war eine Kahler Delegation des Musikvereins in der Partnergemeinde Villefontaine.

Ein Foto der Kahler Delegation in Villefontaine

Foto der Kahler Delegation in Villefontaine

Ein Foto aller Teilnehmer

ein Foto aller Teilnehmer in Villefontaine

Einige Teilnehmer in Aktion

ein Foto vorspielender Teilnehmer

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Neue Herausforderungen

"Die Bläserklasse"

Wenn Jugendliche aufgrund einer geänderten Unterrichtsform keine Zeit mehr für Vereine hat, muss der Verein in die Schule gehen.Seit Beginn des neuen Schuljahres 2014 existiert an der Kaldaha-Schule eine Bläserklasse. 14 Schülerinnen und Schüler der 3.Klasse lernen nun gemeinsam das Spiel auf Flöte, Klarinette, Saxophon, Kornett, Posaune und Tuba. Geleitet wird das kleine Orchester an zwei Wochenstunden von Marcel Schultheis, der auch das Stamm- und Jugendblasorchester des Musikvereins dirigiert.

Eine Bläserklasse ist eine Schulklasse, die nicht am herkömmlichen, sondern an einer neuen Form des Musikunterrichts teilnimmt. Alle Schüler erlernen ein Blasinstrument gemeinsam im Verbund als Orchester. Im Mittelpunkt steht das Bestreben, auf diese Weise ein langfristiges Interesse an der Musik zu vermitteln und die Freude an gemeinsamen Erfolgen zur Stärkung der Teamfähigkeit zu nutzen.

Außerdem beeinflusst das aktive Musizieren das Lernverhalten nachhaltig positiv und steigert die Konzentrationsfähigkeit.

Ergänzt wird das Klassenmusizieren durch einen qualifizierten Einzel- oder Kleingruppenunterricht. Dabei vermitteln die Instrumentallehrer in einer zusätzlichen Wochenstunde detaillierte Kenntnis vom Instrument und dessen Spieltechnik.

Aufgrund der guten Erfahrung wurde in 2016 eine zweite Bläserklasse ins Leben gerufen.

 

Der Musikverein heute

Das Stammorchester hat in jedem Jahr ein immenses Routineprogramm von rund 50 Terminen zu bestreiten. Zu den vielen Aufgaben zählen Auftritte bei Bezirks- und Verbandsmusikfesten, bei Ständchen, Prozessionen und nicht zuletzt bei Festen der Kahler Kirchen und Vereine, die es musikalisch zu gestalten gilt.

Die eigenen Veranstaltungen des Musikvereins gelten dabei als besondere Höhepunkte im kulturellen und geselligen Leben in Kahl am Main. Das traditionelle Musikerfest im Schulhof erfreut sich grosser Beliebtheit. Besondere Erwähung verdienen die sehr gut besuchten jährlichen Konzerte in der Festhalle. Sie stellen einen zusätzlichen Höhepunkt des musikalischen Schaffens des Musikvereins dar.